DOUBLE ESCORT

DOUBLE ESCORT

mit Werken von

Andreas Barth, Matthias Kanter und Elisabeth Sonneck
28. September – 25. November 2012

Vernissage
am Freitag, dem 28. September 2012,um 18 Uhr

Gespräch mit den Künstlern
am Freitag, dem 26. Oktober 2012,um 18 Uhr

Galerie AG für zeitgenössische Kunst
Öffnungszeiten Freitag 14 – 18 Uhr, Sa 12 – 16 Uhr,

sowie jederzeit nach Absprache
+49 (0) 163 3254 781

Mit Double Escort stellen wir drei Positionen im Bereich der Farbmalerei vor, die zwischen konkreter Malerei, konzeptueller Kunst und assoziativer Abstraktion variieren.

Andreas Barths bedient sich für seine Leinwandarbeiten in Diptychen vorgefundener Farben, Couleurs trouvées, die er im Raum positioniert – man könnte insofern in diesem Zusammenhang von Farb-ready-mades im Sinne von Marcel Duchamp sprechen. Die Acryllacke bringt er in mehreren Schichten in perfekter Sättigung auf die Leinwände mit Rollen auf und verzichtet so bewusst auf jedwede Spuren eines individuellen malerischen Pinselduktus. Entscheidend sind die Relation der beiden Farben untereinander, die Proportion der Leinwände zueinander und ihre Hängung im Raum. Mit der Reduktion der chromatischen Mittel fokussiert er den Blick des Betrachters auf minimale Veränderungen hinsichtlich der energetischen Wirkung der Farbe. Zwei perfekt angeschlagene Töne, die in ihrer Korrelation oder ihrem Zusammenspiel im Raum weiterklingen.

Auch Elisabeth Sonneck greift für ihre Leinwandarbeiten auf eine klare Methodik zurück, in deren Rahmen sie in empirischer Weise chromatische Möglichkeiten auslotet. Sie verwendet quadratische Leinwände, deren Format der Reichweite ihres individuellen Pinselstriches entsprechen. Für eine Serie von mehreren Tafelwerken mischt sie eine Tonskala, die in allen Werken der Reihe gleich bleibt. Sie nutzt diese verschiedenen Farbtöne wie die Töne eines Werkes der Zwölftonmusik, das dieselbe Reihe von Tönen in wechselnder Reihenfolge, Richtung und Transponierung variiert. Wie für Arnold Schönberg die Methodik der 12-Tonmusik stellt für Elisabeth diese Herangehensweise ein Mittel der ästhetischen Befreiung dar. Auf solche Weise erforscht sie das Zusammenspiel der Töne oder Farben innerhalb einer Reihe, die einzelnen Arbeiten sind jedoch vollkommen autark und nicht etwa als Serie aufzufassen. Durch ihre Technik, Ölfarbe feucht in feucht zu verwenden, kann sie auf ein breites Spektrum von Lasuren, deckenden Bereichen, Verschleifungen und Ausreibungen aus tiefer gelegene Farbschichten zurückgreifen. Die Farbtöne vibrieren auf der Leinwand wie eine Stimmgabel, die über einen bestimmten Bereich ausschlägt. Seit 2009 arbeitet sie mit variierenden Pinsellängen, die in unterschiedlichem Abstand vom Rand der Leinwand zurückweichen oder diesen scheinbar zu erreichen suchen, was dem individuellem Empfinden des Betrachter gezollt ist, ebenso wie dessen Assoziation auf das Kolorit der verschiedenen Arbeiten.

Matthias Kanter beschäftigt sich seit langem mit dem sinnlich individuell empfundenen Wert von Farbe. Seine Leinwandarbeiten halten eine „produktive Balance zwischen Bildautonomie und assoziativem Verweis auf eine außerbildliche Realität“. In der konzeptuellen Arbeit Strand erforschte er seriell mit dem immer gleichen Motiv eines Strandkorbes in chromatischer Variation die individuelle Identifikation mit einer bestimmten Farbskala. Ausstellungen wie Aroma verdeutlichen Kanters Interesse an der energetischen Wirkung von Farbe, die über die reine visuelle Empfindung hinausreicht und von individuellen Erinnerungen bedingt ist – vergleichbar der Arbeiten von Howard Hodgekin. Mit seiner Technik Acryl in Wasser verdünnt zu verwenden erreicht er die Transparenz und starke Leuchtkraft seiner Farben. Verwischungen der Farbe sind nie inhaltlich, kontextuell zu verstehen, sondern immer chromatisch assoziativ.

Alle drei Künstler arbeiten raumbezogen: Wie Elisabeth Sonneck und Andreas Barth in der Ausstellung Die niederländische Savanne 2011/12 im Staatlichen Museum Schwerin oder Matthias Kanter in seinen großformatigen Leinwandarbeiten.

Claudia Schönfeld